Opel – das Rad wird nicht neu erfunden

Hoch-Zeit für Automobil-Experten, Wirtschaftsprofessoren und Börsen-Spekulanten der buntscheckigsten Art: Ihre Prophezeiungen sind gefragt anlässlich der Übernahme von Opel durch den französischen Konzern PSA. Rein gestützt auf ihren Rang und Namen verkünden sie, was die Welt schon weiß: Es gibt Doppelfunktionen in Produktion und Vertrieb und in 1 ½ Jahren bei Auslaufen aller Verträge (in denen der Erhalt von Arbeitsplätzen zugesichert wurde) wird es Verluste von Arbeitsplätzen und gegebenenfalls auch Werkschließungen geben. Was soll denn sonst die Übernahme von Konkurrenten? Nichts anderes als ein Mittel zur Kostensenkung wobei die Lohnhöhe -und Menge die Schraube ist, an der gedreht werden muss.

Der neue Chef – wobei in der bürgerlichen Welt die Bezeichnung „knallharter Sanierer“ in der Werteskala gleich nach Bundeskanzler und -präsident kommt – stellt auch gleich klar worum es geht:
„Das Management hob daher sein Margenziel für den Zeitraum 2016 bis 2018 auf im Schnitt 4,5 Prozent an“ (https://www.waz.de/wirtschaft/psa-will-durch-opel-uebernahme-zwei-milliarden-euro-sparen-id209705157.html)

Das Opel jetzt den „Franzosen“ gehört, ruft gleich Kanzlerin und Wirtschaftsministerin auf den Plan. Die Sorge gilt den deutschen Arbeitsplätzen und wenn ein neuer europäischer Konzern entsteht, dann doch auf Kosten des neuen Eigentümers in seinem Herkunftsland. Dass Opel in den vergangenen Jahren bereits 7000 Arbeitsplätze abgebaut hat – das ist anderes herum eben die soziale Marktwirtschaft. Wenn das Werk in Bochum plattgemacht wurde und jetzt zum Vergnügungs- und Freizeitpark Marke Ruhrgebiet gehört, dann ist das eben der Preis, der für die Wettbewerbsfähigkeit gezahlt werden muss.

Widerstand ist nicht zu erwarten:

„Tavares warb auch für eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. PSA kämpfe nicht mit den Gewerkschaften. Allerdings wies er deutlich darauf hin, dass „ein Unternehmen, das seit zehn Jahren in den roten Zahlen ist“ ein Problem darstelle, das gelöst werden müsse. „Und ich denke, dass Gewerkschaftsführer weise sind und verstehen, dass die aktuelle Situation nicht tragfähig ist.“ (aus http://www.tagesschau.de/wirtschaft/psa-kauft-opel-103.html).

Diese Arroganz ist nur dem Umstand zu verdanken, dass die schwarz-rot-goldene Arbeitsfront von vornherein nicht vorhat, Sand ins Getriebe der kapitalistischen Unternehmungs-Zusammenschlüsse zu streuen. Deutschen Gewerkschaften ist eines so klar wie nichts, dass Profite gemacht werden müssen und das dies auf Kosten ihrer Mitglieder und aller anderen Beschäftigten geht.

Bislang wurde immer eine Auffanggesellschaft mittels eines Sozialtarifvertrages gegründet, in denen dann die Überflüssigen und Nutzlosen 1 ½ Jahre üben, Bewerbungen zu schreiben. Der Übergang in das Heer der Arbeitslosen wird fließend gestaltet. Wie wenig im Übrigen das sozialverträgliche Ausschluss-Verfahren taugt, zeigt die Abwicklung des Werkes Bochum:

„Ihr Arbeitslosengeld fällt offenbar deutlich geringer aus als ursprünglich von Opel berechnet, d.h. sie erreichen nicht die im Sozialvertrag vereinbarten 80 Prozent des letzten Nettolohns. Von Summen zwischen 150 und 300 Euro ist die Rede…“ (http://www.derwesten.de/staedte/bochum/ex-opelaner-wundern-sich-ueber-hoehe-des-arbeitslosengeldes-id11481780.html)

Solange der Gesamt-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug (?) begeistert verkündet:

„Wir sind wieder die Gewinner“ (http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/opel-gesamtbetriebsratschef-schaefer-klug-wir-sind-wieder-die-gewinner-13381841.html)

und in den Nachrichten ausgewählte Arbeiter ihre Situation als Hoffen und Bangen auf sichere Arbeitsplätze beschreiben, ist eines klar: zu den Opelanern zu gehören, wäre ein Fluch. Ein bekannter Theoretiker der Arbeiterbewegung schrieb einst: es ist ein Pech, produktiver Arbeiter zu sein. Die Dummheit, die Betriebsangehörigkeit schmiede eine besondere verschworene Gemeinschaft, macht es zur Hölle.

Ob der Kaufpreis von 1,3 Mill Euro ein Schnäppchen war oder nicht und welche Auswirkungen dieser Zusammenschluss auf VW hat – diese Art von Überlegungen sind jenseits von einem Interesse, das eine Welt ohne Ausbeutung will.


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