Klimakatastrophe – eine Frage kapitalistischer Konkurrenz

Die Energiegewinnung durch Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl aber auch Atomkraft seit Beginn der Industrialisierung, hat erhebliche und unabsehbare Folgen für die Lebensbedingungen auf diesen Planeten. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Produktivkräfte werden offenbar nicht nur schlechte Arbeitsbedingungen und Armut eine fortwährende Begleiterscheinung, sondern es werden permanent Stoffe in die Welt gesetzt die eine erheblich schädliche Wirkung haben. Erkenntnisse über die Auswirkungen von CO2 auf das Klima existieren seit Beginn des vorigen Jahrhundert und man ist über Jahrzehnten dem nicht nachgegangen, geschweige denn das man das bestehende Wissen zum Anlass genommen hätte, um Vorsicht walten zu lassen. Im Gegenteil steigt der Ausstoß von CO2 und auch der anderer Treibhausgase bis heute fast ungebrochen weiter an. Die Folgen die sich heute auswirken sind bereits dramatisch: der Anstieg des Meeresspiegels, Dürren, Megastürme, Starkregenfälle in ungekannten Ausmaß sind erst der Anfang von dem was noch bevorsteht. Dieses Auseinanderfallen von Fähigkeiten, die Natur im Dienste der Versorgung einzusetzen, und der Ruinierung der Lebensgrundlage menschlicher Existenzen, verlangen offenbar ganz andere Schlüsse als das „die Menschheit“ einfach einen Irrtum erlegen ist. Es sind offenbar gar nicht die Selben, die die Suppe einbrocken und die, die sie auslöffeln müssen. Da gelten offenbar ganz andere Interessen als die der Leidtragenden.
Wenn die Entscheidungsträger aus der Politik auf Klimakonferenzen, wie in Paris, im Namen der Menschheit auftreten, sich als Hoffnungsträger feiern lassen, dann sollte das hier Anlass sein, nicht darin einzustimmen oder Verbesserungsvorschläge zu machen, sondern der Frage einmal nachzugehen, was eigentlich der wirkliche Grund für den Klimawandel ist, warum fossile Energiegewinnung für die Politik so wichtig ist und welche Interessen von der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage etwas haben.

1 Alles eine Frage des Geldes.

Wo alles nur für Geld zu haben ist,da ist alles auch NUR für Geld zu haben, da sind Bedürfnis und Mittel der Befriedigung ganz grundsätzlich durch die Gewalt des Staates getrennt. Wer irgend etwas will, ist stets mit dem privaten Kalkül des anderen konfrontiert. Wo immer die konkurrierenden Interessen in Streit geraten, zeigt sich, dass es die Staatsgewalt ist, die über die Rechtmäßigkeit von Ansprüchen bestimmt. Es ist überhaupt der bürgerliche Staat, der die ausschließliche Verfügung über den gesellschaftlichen Reichtum mit seinem Recht und mit seiner Gewalt durchsetzt. Zwischen Bedarf und Produktion ist Geld das seltsam Verbindende einer Gesellschaft, die auf dem Gegeneinander des Eigentums beruht. Einer Gesellschaft, in der jeder den anderen ganz grundsätzlich von den Dingen ausschließt, die er braucht. Die Befriedigung von Bedürfnis kann hier nicht der Zweck der Produktion sein, sondern das Angebot nichts anderes als eine auszunutzende Geschäftsgelegenheit, ein Mittel um einen Preis zu erzielen, um an Geld, die abstrakte Verfügungsmacht über den gesellschaftlichen Reichtum zu gelangen. Verfügt jemand über genug davon, kann er sich die aberwitzigsten Bedürfnisse leisten, wenn nicht, geht er leer aus. Da kann auch das Bedürfnis nach sauberem Wasser oder gesunden Nahrungsmitteln bestehen, es gilt nicht, selbst wenn alle Mittel die nötig sind um das herzustellen bereit stehen und die Regale voll sind. In seiner Freiheit, sein Interesse zu verfolgen, ist das Prinzip des Eigentums rücksichtslos. Der Erfolg des einen, ist dann der Verlust des anderen. Die Einnahmen des einen, sind die Kosten des anderen. Wie dann andere mit den Folgen des Gegeneinanders zurechtkommen, geht ihn also nichts an.

2 Der Reichtum der die Armut schafft…

Wenn der ganze Zweck der Produktion das Geld verdienen ist, dann unterbleibt auch jedes Geschäft, wenn nicht mehr Geld raus kommt als rein gesteckt wurde. Dafür hat der Markt alles im Angebot: das Land, Rohstoffe und Material, als auch die Arbeitskraft.
Entsprechend teilt sich die Menschheit funktional: Die Massen müssen für die Mehrung des Eigentum ihre Arbeitskraft zum Verkauf anbieten. Sie sind für alle Zwecke verfügbar, weil sie nicht über die Produktionsmittelverfügen und damit von den Mitteln des Überlebens ausgeschlossen sind. Von ihnen verlangt die kapitalistische Gewinn- und Verlustrechnung genau das Gegenteil von ihren Interessen und das gründlich. Der Lohn ist in dieser Bilanz ein Kostenfaktor der nicht klein genug sein kann, die Leistung dafür nicht groß genug. Ihr Lohn reicht so meist gerade dafür, sich von Monat zu Monat mit dem durch zuschlagen was er hergibt oder besser gesagt, nicht hergibt. Mit der Verfügungsmacht des Kapitals besteht dann auch die Gefahr das er mit dem Arbeitsplatz seine gesamte Existenzgrundlage zu verlieren, wenn er nämlich für die Produktion von Profit nicht mehr gebraucht wird. So gibt es in der modernen Gesellschaft jede Menge Armut nicht weil es an den Mitteln der Versorgung fehlen würde im Gegenteil! Dann macht der Einsatz und die Entwicklung neuer arbeitssparender Technik sie überflüssig. Das Produkt der Arbeit ist in dieser Form eine Waffe gegen die Arbeiter selbst. Es sind die Erfolge kapitalistischer Art, die immer mehr Arbeitslosigkeit hervorbringen und die Betroffenen in Not stürzen. Das hat für das Kapital einen weiteren Nutzen, es wirkt disziplinierend, als Druck auf den Rest der Beschäftigten.
So ist für die, die noch gebraucht werden, der Erhalt ihres Arbeitsplatzes dann auch ein zweifelhaftes Glück. Arbeitsersparnis und Produktivität bedeutet nicht weniger Mühsal bzw. mehr Konsum wie man sich das naiv vorstellen könnte. Die Arbeiter dürfen sich erst recht kaputt schuften, damit der Produktivitätsfortschritt sich in der Konkurrenz auszahlt und die Kosten der teuren, neuen Anlagen sich schnell wieder rentieren. Häufig genug heißt es hier, giftige Dämpfe ein zuatmen, sich den Rücken kaputt zu schuften oder am Ende durch den vielen Stress einen Herzinfarkt zu erleiden. Das der Sozialstaat zum Erhalt der Arbeitskraft und deren Verfügbarkeit eingreift, belegt nur, wie sehr Arbeiter durch das Eigentum unter die Räder kommen. „Die Menschheit“ lebt demnach kaum über ihre Verhältnisse. Sie unterscheidet sich demnach ganz grundsätzlich und funktional ,in diejenige die die über den gesellschaftlichen Reichtum verfügen und diejenige die dafür arbeiten müssen oder zumindest abhängig davon sind. Die Masse an Menschen gehört notwendig zu den Verlierern und kommt genauso unter die Räder, wie die natürlichen Voraussetzungen ihrer Existenz.


3 …und die Brauchbarkeit der Natur untergräbt

Diese Rücksichtslosigkeit macht vor dem Fabriktor kaum halt, sondern betrifft auch den gesamten Umgang mit den notwendigen Voraussetzungen. „Die kapitalistische Produktion … untergräbt zugleich die Springquellen allen Reichtums: die Erde und den Arbeiter.“1 (Karl Marx) Für denselben maßlosen Zweck der Geldvermehrung, für den die Arbeitskraft ausgebeutet wird, findet auch die Umwandlung der Natur statt und zeitigt damit die verheerenden Konsequenzen, die heute zu besichtigen sind. Wo jeder Euro drei mal umgedreht wird, bevor er ausgegeben wird, um die Waren zu produzieren, kennt die Verschwendung bei den Dingen die nichts kosten, keine Zurückhaltung. Wenn etwa giftige Rückstände, die bei der Produktion anfallen, einfach in die Luft geblasen-, in Gewässer abgeleitet werden oder den Boden in eine Altlast verwandeln, dann wird zwar die Verwendbarkeit der Natur reduziert und zieht Kosten nach sich. Für ein Unternehmen besteht dann allerdings immer noch die Option,den Standort zu wechseln und woanders auf unverbrauchte Ressourcen zurückzugreifen.
Die Konkurrenz um Marktanteile, lässt an Kosten sparen, die vom Gesichtspunkt der Nützlichkeit völlig unsinnig sind. Die Haltbarkeit wird verringert, natürliche Stoffe werden durch billigere synthetische, oft giftigere Stoffe ersetzt, so dass sie sich sehr bald im Sondermüll oder sonst wo in der Umwelt wiederfinden. Schließlich werden Wälder gerodet oder verbrannt und Natur in ihrer ursprünglichen Form zerstört, damit der Boden überhaupt zu einen verwertbaren Stück werden kann. Ob dann auch noch durch Kohlendioxidausstoß das Klima umgekrempelt wird oder das Grundwasser verseucht und vergiftet wird, solange es ihm keinen Nachteil in der Konkurrenz kostet, geht den Unternehmer all das nichts an. Vor dem Maßstab des Geldes ist ihm alles gleich, was er produzieren lässt, als auch die Folgen für nachfolgende Generationen. Ist die Zerstörung dann allgemein, wie etwa bei den Folgen des CO2 Ausstoßes oder wenn das Wasser an allen Standorten nur noch nach aufwendigen Reinigungsverfahren benutzbar ist, dann entstehen ihm dadurch zwar Kosten, die auch den Ruin bedeuten können. Doch auch diese Widrigkeiten sind wieder Voraussetzungen, mit denen sich Geld verdienen lässt. Der Bedarf nach sauberen Wasser oder Schutz vor Unwetter und Überschwemmungen ist bei entsprechender Zahlungsfähigkeit eine ausnutzbare Geschäftsbedingung. Die Not verwandelt sich in eine Quelle von Profit der von den geschädigten als Preis abverlangt wird.

4 Es braucht das Wachstum

Wenn also menschliche Bedürfnisse notwendiger Weise ständig unter die Räder kommen, dann findet „Wachstum“ auch nicht statt, weil „der Mensch“ unersättlich ist, sondern weil das Prinzip der kapitalistischen Rechenweise gilt. Wenn es um die Vermehrung des Geldes geht, geht es eben nur darum, am wirksamsten die Kosten zu senken und ein Mehr aus der Arbeit und den natürlichen Ressourcen raus zuholen. Ein Mehr das in seiner Logik keinen Zweck kennt, der irgendwo befriedigt wäre.
Es gilt hier immer, mit allen Mitteln, die Rentabilität herzustellen die es erlaubt der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Darauf kann sich kein Kapitalist ausruhen. Immer leistungsfähigere Maschinen, Automaten und Computer werden entwickelt, immer größere Massen an Kapital werden bewegt um die Kosten der Arbeit zu senken und immer mehr Profit aus der Arbeit und der Natur heraus zuschlagen.
Um hier bestehen zu können, müssen immer größere Vorschüsse eingesetzt werden. Je größer der Vorschuss sein kann, desto besser. Mit den Kosten für Produktionsanlagen wachsen auch die Anforderungen an den Absatz. Größere Marktanteile in aller Welt müssen erobert werden, allein um die ansteigenden Kapazitäten auszulasten, so daß sich Investitionen auch als lohnend erweisen. Damit kann immer mehr aus der Arbeit heraus geholt werden und immer schneller der natürliche Rohstoff zum Zwecke der Verwertung umgewandelt werden. Mit der Senkung der Arbeitskosten, reduziert das Kapital allerdings zugleich einen Teil der Nachfrage auf die es spechtet. Das Kapital setzt damit nicht nur neue Maßstäbe der Produktivität, sondern schafft zugleich den Druck, neue Wege zu finden, um die Kosten weiter zu senken und die Ausbeutung zu intensivieren.
Da der Vorschuss in wachsendem Maße in Produktionsanlagen festgelegt ist, verlängert sich damit die Zeit bis sich diese investierte Summe als Überschuss realisiert. Auch diese Zeit steht der Rentabilität entgegen. Wenn der Vorschuss mit Gewinn nicht sofort zurück fließt, sondern oft erst in Laufe von Jahren könnte die Produktion überhaupt nicht weitergehen. Überschüsse ohne die Möglichkeit eigener Verwendung werden allerdings auch nicht unter das Kopfkissen gelegt, sondern sofort anderweitig als Kredit mit Erwartung von Zinsen vergeben. Damit existiert, allein aus dem Bedürfnis der Verwertung, ein umfangreiches System der Kreditvergabe. Über die Praxis der Banken, die den Handel mit Geld und darüber hinaus fast den ganzen Zahlungsverkehr an sich gezogen haben, ist alles Geld Kredit, Kredit ist Geld. Mit der Abhängigkeit der Geschäfte vom Kredit wird allerdings die Kreditwürdigkeit zu einer wesentlichen Bedingung, um im Kampf um die Märkte bestehen zu können und die nötige Schlagkraft in der Konkurrenz zu bekommen. Ohne Kredit geht nichts. Mit dem Kredit und seinen Ansprüchen auf Zins ist damit allgegenwärtig das unbedingte Recht der Gläubiger auf Überschuss in der Welt, dem Unternehmen als Schuldner auf Gedeih und Verderb mit ihrem Streben nach Profit gerecht werden müssen. Damit muss das allgemeine Wachstum auch noch die Ansprüche der Gläubiger bedienen.
In der Folge dieser Konkurrenz und dem Hunger nach Wachstum zentriert sich das Kapital auf immer weniger Standorte. Mit anwachsenden Kapazitäten besteht die Notwendigkeit immer weiter entfernte Märkte in aller Welt zu bedienen, Waren über immer größere Entfernungen in kürzester Zeit zu transportieren, am besten ‚just in time‘ um sich die Kosten der Lagerhaltung gering zu halten. Damit steigt notwendig das Verkehrsaufkommen und die Verkehrswege müssen immer mehr leisten und verbrauchen immer mehr Flächen.

5 Es braucht dafür immer mehr Energie

Ob Anstieg des Verkehrs, der Einsatz von immer leistungsfähigeren Maschinen, das alles erzeugt einen ansteigenden Verbrauch von Rohstoffen und ganz besonders von Energie.2 Fossile Brennstoffe, zuerst Kohle, dann Öl und Erdgas haben sich neben Atomkraft als Grundlage für dieses Wachstum durchgesetzt. Sie sind als fossile Ablagerungen reichlich vorhanden und es ist billig, sie einfach zu verbrennen. Auf diese Weise sorgt im wesentlichen diese Form der Energiegewinnung, seit Beginn der Industrialisierung für den Anstieg der CO2 Konzentration in der Atmosphäre, mit seinen Folgen für die Umwelt, für das Klima. Die CO2 Konzentration geht seit Beginn der Industrialisierung in rasanten Tempo nach oben und erzeugt den Treibhauseffekt. Die hohe Energiedichte als auch die leichte Transportier- und Förderbarkeit machen es zu einem vorteilhaften Antriebsmittel. So energiefressende Industriezweige, wie etwa die Automobilindustrie und deren Verbrennungsantrieb, konnten sich mit Erdöl und seiner extensiven Förderung überhaupt erst durchsetzten. Genauso wird die Technik sich auch aus militärischen Erwägungen durchgesetzt haben. Fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl stecken damit heute in allen Produkten drin, so das jeder Wechsel im Preis sich in allen Kalkulationen bemerkbar macht. Je produktiver die Industrie und je mehr die Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden, desto mehr fällt der Energiepreis ins Gewicht.
Eine ständige Verfügbarkeit, um die Produktion dauerhaft am Laufen zu halten und ein niedriger Preis ist damit ein Muss für einen Standort und die Unternehmen, die sich in der Konkurrenz behaupten wollen. Die Bedeutung geht so weit das Preissteigerungen, nicht nur zu einem Standortproblem, sondern sich zu einem akuten Wachstumshindernis werden können. So in den 70er Jahren, wo Preiserhöhungen der Öl exportierenden Länder Auslöser der sogenannten Ölkrise waren.
In der Folge dieser Krise wuchs das Bestreben Energie einzusparen, ohne das dazu ein Gedanke an Klimaschutz nötig war, allein um das Wachstum zu stützen und die Kosten für teure Energieimporte zu drücken. Einsparung wurde seit dem als neue „Energiequelle“ propagiert. Auf der anderen Seite ist auch in der aktuellen Finanzkrise die Sorge um das fehlende Wachstum auch Grund jeden Pfennig für das Klima nochmal daran zu messen, ob es auch dem Wachstum nützt und ungebrochen über alle Rezessionen an der Ausbeutung der Fossilen Brennstoffe festzuhalten und sie immer weiter auszudehnen. So ist es bezeichnend, dass die Erfolge bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes vor allem durch das gebremste Wachstum zustande kam, also ausgerechnet im Zustand der Rezession, der allgemein als das größte Problem überhaupt angesehen wird.


6 Energie als Objekt staatlicher Sorge und Konkurrenz

So sorgt der Staat sich immer zu um das Wachstum. Er will den Erfolg, weil er aus der kapitalistischen Ökonomie seine Mittel bezieht. Es ist ja auch der Staat, der mit seiner Gewalt nicht nur dem Kapital und seinen Ansprüchen Gültigkeit verleiht, sondern stets kritisch ist, was die Bedingungen des Erfolges angeht. Deshalb ist auch die Frage der Energieversorgung eine Angelegenheit in der der Staat nichts dem dem Zufall und alleine den Kräften des Marktes überlassen will. Er stellt die rechtlichen und internationalen Rahmenbedingungen, unterstützt finanziell zB. mit Subventionen im Energiesektor.3 Die Frage der Energieverfügung und Kosten sind eine grundlegende Frage seiner Stellung in der Welt. Störend bemerkt er, wenn ein so wichtiger Rohstoff, der die ganze Wirtschaft am Laufen hält, sich außerhalb seiner direkten Kontrolle und Zugriffsmacht befinden. Es gibt anderen Staaten Hebel in die Hand, sich den eigenen Ansprüchen zu entziehen. Der Anspruch in der Energiefrage Herr zu sein veranlasst ihn deshalb sowohl politisch als auch militärisch Einfluss auszuüben und den Import der Energiequellen auch nach seinen Interesse zu sichern.
Doch nicht zuletzt haben eben jene Einflussnahmen, nämlich die militärischen Interventionen der USA und ihrer Partner im Nahen Osten, als auch der Konflikt mit Russland die Unsicherheiten noch vergrößert. Diese Konflikte um das Öl waren zumindest für Deutschland schon immer ein wichtiger Grund dafür die Abhängigkeit von Fossilen Energieimporten zu reduzieren. Deshalb setzt es, um bei der Energieversorgung nicht in zu einseitige Abhängigkeiten zu geraten, auch auf eine „Diversifizierung“,d.h. auf verschiedene Energiequellen. Neben dem Preisvorteil gehört Braunkohle mit all den bekannten Folgen genau aus dem selben Grund auch weiterhin zu einer wichtigen Säule der Energieversorgung in Deutschland wie die regenerative Energie.4 Das eine Energieform in eigenem Land verfügbar ist, kann so schon den Unterschied ausmachen. Wenn deshalb nicht mal Deutschland auf seine Kohleverfeuerung und den Braunkohletagbau verzichten will, so sehen es Länder wie Indien erst recht so. Mit dem weltweit ansteigenden Verbrauch und den abnehmenden langfristig zu Neige gehenden Brennstoffreserven, insbesondere Erdöl, verschärft sich die Konkurrenz um die Energieressourcen. Denn während Kohle und Erdgas noch langfristig verfügbar sind, geht Erdöl in der Perspektive zur Neige. Für die Ölkonzerne wird es mit knapper werdenden Ressourcen und steigenden Preisen erstmal rentabel, weitere Quellen zum Erschließen und neue Techniken der Ausbeutung zu entwickeln. Die Größe dieser Vorkommen ist nicht gerade gering und so werden immer neue Vorkommen entdeckt. So werden die rentabel ausbeutbaren Vorkommen trotz des ansteigenden Verbrauchs sogar größer statt kleiner.

Dennoch gibt es neben den Folgen der CO2 Emissionen einen ganz eigenständigen strategischen Grund die „Energiewende“ zu betreiben. Über das Bestreben die Energieversorgung zu sichern ist regenerative Energie zu einem weiteren Standbein der Energieversorgung geworden. Der Staat fördert mit der regenerativen Energie die Fähigkeit, unabhängig von Rohstoffimporten im eigenen Land Energie zu produzieren. Im Idealfall bringt die Förderung auch eine weltmarktfähige Produktion hervor, die das Zeug hat, andere Staaten in die Abhängigkeit zu bringen und das Verhältnis umgekehrt und zu einer Profitquelle für das deutsche Kapital zu machen. Mit zunehmender Investition und staatlicher Unterstützung sind die Produktionskosten in diesem Sektor auch weiter gesunken.
Dieses Interesse, regenerative Energie zum weltweiten Geschäft zu machen, trifft allerdings auf Staaten, die genauso den Energiemarkt kontrollieren und subventionieren und in dem bislang fossile Energie dominiert. Ein Umstieg, der kein Selbstgänger ist, sondern Kosten in Infrastruktur und andere Subventionen nötig macht. Damit der Umstieg auch zum weltmarktfähigen Geschäft wird und dem Staat seine Umstiegskosten nicht zur Wachstumsbremse werden, begnügt er sich nicht einfach damit, im Inneren, die Rahmenbedingungen zu setzen, sondern es braucht internationale Übereinkünfte, die dieser Branche auch international den Weg bereiten. So bietet die drohenden Klimaveränderung soweit die Gelegenheit, der neuen Energie als Wachstumssphäre international die Tür zu öffnen.

7 Die Bewältigung der Folgen fossiler Verbrennung

In der Folge des extensiven Verbrauchs fossiler Energieträger droht auf der anderen Seite der CO2- Ausstoß, das globale Klima das zukünftige Wachstum und damit den Springquell seiner staatlichen Potenz zu untergraben. Den größten Teil der Industriestaaten, lässt das deshalb nicht unberührt. Hier stellt sich allerdings erstmal die Frage nach der Anpassung des Standortes an die drohenden Widrigkeiten des Klimawandels. Den Klimawandel hat man ja über Jahrzehnte in Kauf genommen. Deshalb muss der Standort mit erheblichen Kosten auf die dadurch entstehenden Anforderungen fit gemacht werden. Es ist ja überhaupt erstmals offen, wer am besten mit den Klimawandel zurechtkommt und wer wie im Wettbewerb um das anlagewillige Kapital daraus hervor geht. Der Klimawandel wird Teil der Kalkulation von Vorteil und Nachteil. zB. Können neue Rohstoffvorkommen ausgebeutet werden, das Nordpolarmeer wird befahrbar, Landwirtschaft wird weiter nördlich möglich. Die durch den Klimawandel drohenden Schäden können allerdings erheblich werden und bedrohen schlicht die elementaren Voraussetzungen der Staatenwelt. Angesichts der fortgeschrittenen CO2 – Emissionen steht die Fähigkeit selbst auf dem Spiel, das Wachstum und damit die Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlage auch in Zukunft überhaupt noch weiter treiben zu können. Angesichts der Kosten und der Erkenntnisse der Klimaforschung können deshalb Maßnahmen der Anpassung, zumindest in den Augen der meisten Regierungen, alleine kaum genügen. So ist die Erkenntnis gereift, das es ebenso „Klimaschutz“ braucht, also Maßnahmen die in der Lage sind, den CO2- Ausstoß zu reduzieren.
So steht der Staat vor dem Widerspruch, daß er sich wegen der Gefährdung des zukünftiges Wachstum und den voraussichtlich eintretenden Kosten das aktuelle Wachstum und seine Konkurrenzsituation nicht kaputt machen will. Um nicht in die Gefahr zu geraten einen „Nachteil“ mit dem Umstieg auf die regenerative Energie in Kauf nehmen zu müssen, werden deshalb „Alleingänge“ wie selbstverständlich abgelehnt. Maßnahmen sollen sein, aber zum Nachteil soll es nicht gereichen.


8 Die Klimakatastrophe – eine Streitfrage von Klimakonferenzen

Da das Interesse am Klimaschutz mit den energiestrategischen Kalkulationen einiger Industrieländer zusammengeht, bietet sich für diese Länder die Gelegenheit ihr ökonomisch und strategisches Interesse einer Energiewende als Dienst am Weltklima auf die globale Tagesordnung zu setzen. So wird das Klimaproblem angegangen, in dem versucht wird, dem Kapital internationale Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen. Als globales Problem ist der Klimawandel geeignet, die Kostenfrage auf andere Staaten abzuwälzen.5
So ist das Klimaproblem zugleich die Chance um die regenerative Energie zum weltweiten Geschäft zu machen und Legitimation, um Druck auf andere Staaten auszuüben, den Umstieg zu betreiben.
Für den Umstieg wird deshalb international sowohl die Bereitschaft gesucht, das Problem des Klimawandels anzuerkennen und sich zu eigen zu machen, als auch von fossilen Brennstoffen abzurücken. Im Namen „der Menschheit“ treten nun gerade die als „Weiße Ritter“ für den Klimaschutz ein, die sich das kapitalistische Wachstum auf die Fahne geschrieben haben und die es für nötig halten, jährlich 36,4 Gigatonnen CO2 in die Luft zu blasen.
Auf den Weltklimagipfeln ringt man sich durch, den Klimawandel überhaupt als ein „menschengemachtes“, sprich als ein Phänomen anzuerkennen, für das die Staatenwelt irgendwie verantwortung zu tragen hätte. Dieses Eingeständnis lässt den Klimawandel überhaupt zu einen Gegenstand internationaler Verhandlungen werden. Dazu wurde ein Maximalwert festgelegt auf den die Co2 Konzentration begrenzt werden soll. Bei Höhe dieser CO2 Konzentration, so prognostiziert die Klimawissenschaft des IPCC den ökonomischen „Kipppunkt“6 bei 2 Grad, an diesem Punkt droht dann das Klima und damit eben auch die Schäden und eintretende Kosten außer Kontrolle zu geraten. Diesen Grenzwert der verträglichen Erwärmung hat sie auf 2°Grad über dem vorindustriellen Zeitalter festgelegt. Mit ihm erlaubt sich die Staatenwelt allerdings erstmal weiterhin das Klima unwiderruflich zu zerstören. Das 2- Grad- Ziel beinhaltet immerhin fast das Doppelte der Erwärmung die bereits seit Beginn der Industrialisierung statt gefunden hat. Angesichts des weltweiten Ausstoßes ist das aber auch nicht mehr viel.8 Von einer Ablösung fossiler Energie kann entsprechend keine Rede sein, die erneuerbaren Energien wie die Sonnen- oder Windenergie tragen heute gerade mal 1,3 % zur Deckung des globalen Energieverbrauchs bei.7
Die CO2 Menge, zu der sich die Staatenwelt durchgerungen hat, hält sie sich bislang noch nicht mal an ihre eigenen Zusagen. Doch selbst wenn sie ihre Ziele einhalten würden würde diese CO2- Reduktion auch nur nach den konservativen Rechnungen des IPCC das 2- Grad- Ziel nicht verfehlen. Bei dem Ergebnis des IPCC handelt es sich um einen Minimalkonsens, der eben viele kritische Befunde ausklammert, die in den Klimamodellen bisher keinen Platz gefunden haben oder die Computersimulation überfordert. Dabei bleiben die sich selbst verstärkende Rückkopplungen des Klimawandels außen vor. Rückkopplungen, die wiederum den Effekt verstärken, der sie ausgelöst hat. Denn Erkenntnisse der Klimaforschung zeigen auch, dass die Staatenwelt mit ihren Emissionen das Klima keineswegs so im Griff hat, wie sie es gerne hätten. So fängt unter anderem der Permafrostboden bereits an zu tauen und in der gesamten Polarregion lagert auch unter Wasser erhebliche Mengen an CO2 in Form von Methanhydraten. Durch die Erwärmung entweichen bereits jetzt erhebliche Mengen an Methan, dass ein überaus potentes Klimagas darstellt. Bei 1,5 Grad Erwärmung also noch ½ Grad unter dem 2-Grad Ziel drohen auch die kältesten Permafrostregionen gänzlich zu schmelzen. Alleine dort lagert eine 10 -100 Meter starke Schicht, und damit mehr Kohlenstoff in Form gefrorenen Methans als nach dem IPCC bis zum 2- Grad-Ziel noch erlaubt wäre. Das Kippen der Westantarktis ist offenbar bereits erreicht und ihr Schmelzen unaufhaltbar, alleine das bedeutet langfristig einen 3 Meter höheren Meeresspiegel.9 Auch in Bezug auf das Grönlandeis spricht einiges dafür, dass der Kipppunkt bei 1,5 Grad schon erreicht ist, also die Erwärmung zum kompletten Schmelzen führt.8 In der Folge ist ein weiterer Anstieg von über 7 Meter zu erwarten, der Golfstrom würde versiegen. So ist es auch kein Wunder das der Klimawandel viel schneller vor sich geht als es die bisherigen schlimmsten IPCC- Prognosen der Vergangenheit haben erwarten lassen und immer wieder nach oben korrigiert werden mussten. Der heutige Klimawandel zeitigt also bereits jetzt Folgen, die keine Zeit mehr lassen von Kohle und Erdöl weg zukommen. Während man also negative Folgen außen vor lässt, wird auf der anderen Seite die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß es in Zukunft technisch möglich wäre, CO2 wieder aus der Atmosphäre herauszuholen. Offenbar glaubt man zwar nicht daran, dass die Bereitschaft zur Reduktion der CO2 Emissionen dem Einhalten der 2-Grad- Marke genügt, aber offenbar schon daran das sie die Kosten auf sich nimmt verfahren zu entwickeln mit den es gelingt das Co2 wieder aus der Luft zu holen.12 Das Ausrufen von Klimazielen heißt eben keineswegs, das einfach auf die Wissenschaft gehört wird, vielmehr müssen die Ergebnisse schon die klimafeindlichen Interessen der politischen Entscheidungsträger legitimieren. In dem Papier wo die Ergebnisse „für die Entscheidungsträger“ zusammengefasst werden, ist dementsprechend das Ergebnis des IPCC nochmal auf das politisch Genehme zurecht gestutzt.
Der Wille zur Verantwortung heißt eben keineswegs, das es selbstverständlich wäre, das CO2 Ziel, selbst so großzügig wie es der IPCC definiert, auch ernsthaft anzugehen. Die beteiligten Staaten werden weiterhin nichts in Kauf nehmen wollen was ihnen einen Nachteil in der Konkurrenz der Staaten bringt.
So setzt sie sich in gewohnter Manier über Millionen von zusätzlichen Opfern hinweg. Flüchtlingsbewegungen wie in Somalia, die sich heute schon aufgrund der Klimaveränderungen in Bewegung setzten, Dürren die bereits zwischen 2010 und 2012 über 250.000 Tote gekostet haben. Soviel zu den „Selbstheilungskräften“ des Marktes…

Rosso

  1. Das Kapital, MEW Bd. 23 , S. 529 f. [zurück]
  2. „Pro Billion US-Dollar, die das Welt-BIP über der Prognose lag, stieg die CO2-Konzentration um ein halbes ppm (Maßeinheit: Teile von einer Million) über die erwartete Entwicklung an. Das galt auch umgekehrt. Um die Klimaerwärmung zu stoppen, so die Autoren der Studie, bräuchte es entweder eine Serie von Wirtschaftskrisen, die das Welt-BIP in den Keller sinken lassen – oder die Wirtschaft müsste komplett umgestaltet werden.“ WOZ 19_2012 [zurück]
  3. „Laut dem World Energy Outlook der IEA schossen 2011 die Regierungen 523 Milliarden Dollar für Kohle, Erdöl und Erdgas bei, 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor und gleich sechs Mal mehr als an Subventionen für regenerative Energie, nämlich 88 Milliarden. “ www.corporaid.at_/04_2013 [zurück]
  4. So befinden sich (laut Greenpeace) zur Zeit alleine in Deutschland 5 Kohlekraftwerke im Bau und 8 weitere in Planung. Eine Planung mit der die CO2 Emission auf mindestens 40 Jahre Nutzungsdauer festgelegt ist Zudem fördert Deutschland den Export von Kohlekraftwerken in alle Welt“… Die 5 genehmigten und im Bau befindlichen Kraftwerke emittieren bei Fertigstellung alleine 34,2 Millionen Tonnen CO 2 pro Jahr. Greenpeace 12_2014 [zurück]
  5. Bundesregierung zu Energiewende und Klimawandel: „Wichtig ist, dass für die Unternehmen international gleiche oder zumindest ähnliche Klimavorschriften gelten. Das heißt beim internationalen Klimaschutz: Es muss vergleichbare Verpflichtungen für alle großen Emittenten geben. Andernfalls bezahlen wir die Klimaschutzmaßnahmen, die wir im Interesse der Weltgemeinschaft durchführen, gegebenenfalls sogar mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Hier ist die Politik international gefragt, denn auch nur annähernd gleiche klimaschutzpolitische Rahmenbedingungen sind derzeit in weiter Ferne. Eine einseitige Verschärfung des Reduktionsziels auf 30 Prozent zum Beispiel würde zum Wettbewerbsnachteil für die werden, wenn andere Staaten nicht nachziehen.“ [zurück]
  6. www.pik-potsdam/kippelemente [zurück]
  7. In Deutschland liegt der Anteil bei knapp 20 %, weltweit noch weit darunter: „Nach der Biomasse ist die Wasserkraft als weitere „klassische“ regenerative Energiequelle mit einem Anteil (weltweit) von rund 2,5 % am globalen Primärenergieverbrauch die zweitstärkste Kraft. Nur zu rund 1,3 % tragen die „modernen“ erneuerbaren Energien wie die Sonnen- oder Windenergie zur Deckung des globalen Primärenergieverbrauchs bei. Deren Ausbau verzeichnet aber in den letzten Jahren die höchsten Zuwachsraten.“ Energiestudie 2015, S.55. [zurück]
  8. „Periods when the world was 0.5-1°C warmer than today did not see any stalactite growth in this northernmost cave, suggesting that around 1.5°C is the ‚tipping point‘ at which the coldest permafrost regions begin to thaw.“ www.sciencedaily.com/2013_02 [zurück]
  9. „Erst kürzlich haben Satellitenbeobachtungen die Richtigkeit zweier unabhängiger Computersimulationen bestätigt, die zeigen, dass der westantarktische Eisschild inzwischen einen Zustand unaufhaltbaren Zusammenbruchs erreicht hat. Allein dieser drei Billiarden Tonnen schwere Eisschild birgt das Potenzial, den Meeresspiegel über mehrere Jahrhunderte hinweg um mehrere Meter anzuheben. Wir haben damit das erste Mal ein Kippelement kippen sehen.“ Allein dieser drei Billiarden Tonnen schwere Eisschild birgt das Potenzial, den Meeresspiegel über mehrere Jahrhunderte hinweg um mehrere Meter anzuheben. Wir haben damit das erste Mal ein Kippelement kippen sehen.“ Anders Levermann, „Negativer Meilenstein“: Die Antarktis kippt, Vgl. auch Rahmstorf [zurück]


Published Aug. 14, 1912.


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